Nightmode

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Nightmode

So. Und das werden wohl die letzten Bilder sein von hier. Die letzten digitalen, die anderen gibts später.

 

Ein Hund, der hier rumrennt. Eine schöne Doberfrau namens Dealer. Und ein Bild von mir auf einer NGO-Farm im Norden, in der Nähe von Anuradhapura, der alten Königsstadt. Zwei Bilder mit Regen und noch ein Bild, fast vorhin, wenn ich das hier alles schreibe.
Ja, es ist Nachts und ich sitze in Hemd und Sarong draußen. Und während ich hier draußen sitze, sage ich mir, das ich eigentlich keinen Bock hab, ins kalte Berlin zurückzukommen.
Ich meine, auch das Bier ist hier billiger. Und Bier am Ozean trinken ist einfach unbeatable.
Nein, mal im Ernst oder sonstwo. Da stehst du im Norden in brütender Hitze vor einem Baum, der eines der größten buddhistischen Heiligtümer der Insel darstellt, seit rund 2200 Jahren ununterbrochen bewacht und gepflegt wird, und … Ja, gespannt gewesen auf das was jetzt kommt? Nein, das erzähl ich nicht. Aber hat ja wohl jeder schonmal in, vor oder auf einem erhabenen Bauwerk gestanden, oder hat zumindest schon mal an einem Baum gelehnt. Einfach ein Gefühl, Ruhe zu haben. Nicht weniger, vielleicht mehr. Steinbuddhas im Wald sind auch sehr schön. Very touching, wie der einheimische Ausländer sagt.
Oder heute in strömenden Regen (und das ist wirklich Regen hier, der von sich sagen kann, ich bin Regen) durch Teefelder spazieren, durchnäßt bis auf dei Haut, Waranen beim sich langsam bewegen zuschauen und darauf warten das sie einem den Weg freimachen.
Oder am allerletzen Flecken auf dieser Insel in den Werg (near World’s End, you remember) ein kleines englisches Castle zu finden, in dem sich Benediktiner-Mönche nidergelassen haben. Strange. Die Bahnfahrten in Wagons, die die Engländer damals hiergelassen haben. Naja, nicht ganz, aber höchstens aus den 70ern. Aber alle haben Mobiles. Dann wieder an der Küste im Süden die Fundamente der ganzen Häuser, die vom Tsunami weggespült wurden und wo manchmal noch ein paar Mauerreste stehen, zu sehen.
Und bei alledem an zu Hause zu denken, ist schon komisch. Wie merkwürdig Probleme im Vergleich auf einmal erscheinen. Ein Eindruck ist, und der wird durch das viele Grün hier und das draußen Leben ziemlich stark, wie weit weg man in der Stadt von einem echten Gefühl für Natur eigentlich entfernt ist. Ich meine, es fängt einfach dadurch an, das du merkst, wenn du hier in den Wald gehst, daß du dir einfach Gedanken machst, das da noch wer anders wohnt. Du könntest zum beispiel einer Kobra begegnen oder einem Waran auf den Schwanz treten oder dir läuft eine Elefantenkuh mit einem Jungen über den Weg oder beim Badengehen sagst du dir, ach ja, da waren ja noch die Krokodile. Ok, der Dschungel ist natürlich auch einfach so da. Aber es ist irgendwie so, wie festzustellen, ja, Dschungel ist ja nicht nur eine Idee von viellen Bäumen, nein, den gibts wirklich und der lebt. Und kann sich genauso fühlen wie du. Total nett, oder mal aggro, weil da schon wieder so ein Idiot alles platttrampelt. Sich im Sommer in den Park zu setzen, erscheint dagegen wie eine Verzweiflungstat. So, what to do? Sich im Sommer natürlich weiter in den Park setzen. Nur in welchen?
Und im Winter? Natürlich den Gummibaum zu Hause pflegen. Vielleicht ist es so einfach. Vielleicht gibts aber einfach nur zuviel Beton in der Stadt.
Mir ist es jedenfalls zu kalt zu Hause, also macht mal einer bitte die Heizung an.